Reinlesen

Am Freitag, den 13. März 2020, wurden Kinder und Eltern in Deutschland darüber informiert, dass die Schulen und Kindertagesstätten bis auf Weiteres geschlossen werden. 

Am Montag, den 16. März 2020, wurde dann der erste Lockdown der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland beschlossen. Was das bedeutete? Es bedeutete, dass dieser Freitag der 13. für viele Kinder und Jugendliche der größte Pechtag aller Zeiten werden würde.

Nadja
Komisch, das ist wirklich total komisch. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wie das in den „Corona-Ferien“ war. Klar, es gab Lockdowns. Und merkwürdiges Homeschooling. Plötzlich war alles anders. Keine Nudeln mehr im Supermarkt, Klopapier war ausverkauft, voll die Hamsterkäufe und alles …
Und wir wussten alle nicht, wie lange es dauern würde. Wann es endlich wieder normal werden würde. Und ob überhaupt …
Und als es endlich besser wurde, ging plötzlich alles wieder von vorne los. Wieder Lockdown. Es war schlimm! Aber jetzt, wo alles wieder völlig normal ist, da ist mir das alles irgendwie aus dem Gedächtnis gefallen. Alles weg, also fast alles. Das ist strange.

18.03.2020

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt in einer historischen Fernsehansprache:
„Millionen von Ihnen können nicht zur Arbeit, Ihre Kinder können nicht zur Schule oder in die Kita, Theater und Kinos und Geschäfte sind geschlossen, und, was vielleicht das Schwerste ist: Uns allen fehlen die Begegnungen, die sonst selbstverständlich sind. Natürlich ist jeder von uns in solch einer Situation voller Fragen und voller Sorgen, wie es weitergeht. (…) Ich glaube fest daran, dass wir diese Aufgabe bestehen, wenn wirklich alle Bürgerinnen und Bürger sie als IHRE Aufgabe begreifen. Deswegen lassen Sie mich sagen: Es ist ernst! Nehmen Sie es auch ernst! Seit der Deutschen Einheit, nein, seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames, solidarisches Handeln ankommt.“ 

Marta

Die meiste Zeit war Langeweile. LANGEWEILE! Trotzdem war ich angespannt, nervös und oft ganz schön geladen. Mama wollte mir unbedingt so ’ne App runterladen mit Meditationsübungen.
„Die Boxatmung hilft dir zu entspannen. Schließe deine Augen und atme langsam durch die Nase ein, zähle dabei bis vier …“  Da war für mich Ende. Aus! Finito! Was soll der Scheiß? Das ist doch total cringe!  Wenn ich aufstehe, hab’ ich nur einen Gedanken: Meine Füße sind ganz unbenutzt.
Ich kann nicht gehen. Mein Kopf ist ganz unbenutzt, ich kann nicht denken. 

Franz

Ihr könnt euch das nicht vorstellen. Ich hab’ Corona und darf nicht mal mehr raus oder spazieren gehen. Zu #Bleibtzuhause! kommt jetzt noch Quarantäne. Totale Isolation. Die Straßen sind eh menschenleer. Alle sind drinnen: Homeoffice, Homeschooling, Home am Arsch. Leave no one behind. Echt? Mein bescheuerter Onkel sagt: „Geh doch mitten in der Nacht, dann begegnest du niemandem.“ 

Geniale Idee. Cool wäre es, wenn es so einen geheimen Treffpunkt gäbe – wo sich alle „Coronist:innen“ nachts im Park treffen. Yeah! Alle Schaukeln nur für uns! Und ich nehme die Rutsche. 

Pawel
Dann gab es die Stoffmasken. Damals fand ich das gut – mit der Maske rauszugehen. Ich dachte, dass ich so irgendwas tun konnte. Da hatte ich ein gutes Gefühl. Omi hat ganz viele für uns genäht. Sogar welche mit Pinguinen drauf. Ich konnte aber nicht gut damit atmen. Und geholfen haben die ja wohl gar nicht in echt.
Mein Lieblingswort in der Schule war „Maskenpause“. Dann wurden alle Fenster weit aufgerissen und wir durften die Masken für ein paar Minuten absetzen.